Mit Tabakbündeln & Gebeten

Heilende Räume - Räume heilen


Wenn wir heilerisch tätig werden, hat das Heilungsumfeld – der umgebende Raum – einen unmittelbaren Einfluss auf das Heilungsgeschehen. Räume können heilsam sein und meine Absicht unterstützen. Räume können neutral sein. Räume können aber auch für meine Arbeit einfach ungeeignet sein.

Ein Raum ist ein lebendiges Wesen mit eigenen Befindlichkeiten und Bedürfnissen, eigenen Aufgaben und einer eigenen Geschichte. Wenn ich die Integrität eines Raumes achte, tue ich nicht nur dem Raum etwas Gutes. Ein klarer und wertgeschätzter Raum kann zu einem wertvollen Verbündeten werden und Heilungsprozesse fördern.

Einen Raum, in dem Heilung stattfinden kann, kann ich nur in Zusammenarbeit mit dem Raum schaffen. Dieser Prozess durchläuft vier Phasen, die ich im Folgenden vorstellen möchte.

 

Öffnung des Raumes

Der erste Schritt in der Arbeit mit/in einem Raum oder Ort besteht immer darin, Kontakt zum Spirit (= der Lebenskraft oder Lebensenergie) des Raums aufzunehmen. Denn nicht nur Pflanzen, Tiere, Steine und Menschen haben einen Spirit, sondern auch Orte, Plätze, Räume und Gebäude. Wir alle haben bereits die Erfahrung gemacht, uns an einem Ort spontan unwohl und unwillkommen zu fühlen und haben so erlebt, dass es für einen Ort möglich ist, mit uns zu kommunizieren.

Einem Raum sollten wir mit demselben Respekt und derselben Achtsamkeit begegnen wie allem/allen Anderen. Für mich bedeutet dies, den Raum beim Betreten zu begrüßen und nachzufragen, ob ich willkommen bin. Falls ich eine bejahende Antwort erhalte, erkläre ich dem Raum mein Anliegen und bitte ihn um Erlaubnis arbeiten zu dürfen. Wenn mir dies ebenfalls gewährt wird, schaue ich gemeinsam mit dem Raum, was die nächsten Schritte sind.

 

In manchen Situationen habe ich keine Wahl. Zum Beispiel kann mir als Seminar- oder Kursleiterin ein Raum zugewiesen werden, ohne Rücksicht darauf, ob dies für den Raum angemessen ist. Dann erkläre ich dem Raum die Situation und frage, ob er mich dennoch unterstützen kann. Sollte dies dem Raum nicht möglich sein, bitte ich ihn um Neutralität.

Es kann auch Situationen geben, in denen z.B. in einem Kurs aber auch gar nichts gelingt, obwohl wir gut vorbereitet und die Teilnehmer/innen hoch motiviert sind. Dies kann daran liegen, dass unser Vorhaben einfach nicht zum jeweiligen Raum passt. Das bedeutet nicht, dass unsere Arbeit „schlecht“ ist, sondern dass der Raum einfach etwas anderes braucht und nach Wegen sucht, uns dies mitzuteilen. In einer solchen Situation hilft im Grunde nur, unsere Sachen zu packen, falls möglich woanders weiter zu arbeiten und das Ganze mit Humor zu nehmen!

 

Raum schaffen im Raum

Oft sind Räume einfach viel zu voll. Voll mit ihrer eigenen Geschichte und mit den Hinterlassenschaften der Menschen, die vor uns darin gearbeitet oder gelebt haben. Dies muss gar keine sogenannte „negative Energie“ sein, sondern einfach zu viel Altes. Wenn ich etwas Neues in einen Raum hinein bringen möchte, muss ich daher erst mal Platz schaffen. Um ein neues Sofa in meine Praxis zu bringen, muss der Platz dafür da sein. Es macht ja keinen Sinn, es aufrecht an die Wand zu lehnen. Und so müssen vielleicht drei alte Stühle hinaus geschafft werden oder eine Kiste, in der sich seit Jahren allerlei Nippes ansammelt. So wie wir ja auch oft im System unserer Klient/innen (oder unserem eigenen) durch Entgiftung erst einmal Raum für Heilung schaffen müssen.

 

Ich möchte nun einige Möglichkeiten vorstellen, Räume zu reinigen und zu klären. Dies sind die Methoden, mit denen ich selbst arbeite und deren Wirksamkeit ich daher gut kenne. Es gibt aber auch zahlreiche andere Möglichkeiten und so sind die Vorschläge hier vor allem als Anregung gedacht.

 

       Am Anfang steht immer die physische Ebene – auch bei energetischer/spiritueller Heilungsarbeit! Ich öffne die Fenster, um die verbrauchte Luft hinaus und frische hinein zu lassen. Je nach Bedarf wende ich dann die klassischen Reinigungsmethoden an: putzen, wischen, saugen, fegen. Dreck- und Staubbeseitigung schafft Raum. Dann schaue ich, welche der Gegenstände im Raum ich für meine Arbeit brauche und welche nicht. Die, die ich nicht brauche, schaffe ich wenn möglich hinaus. Auch alles, was  „nur rum steht“ nimmt Raum in Anspruch. Und den brauche ich für etwas anderes. Während all dieser Arbeiten folge ich meiner Intuition. Ich halte den Kontakt zum Spirit des Raumes und berate quasi immer wieder mit ihm gemeinsam, was zu tun ist, um den Raum sowohl auf die Bedürfnisse meiner Arbeit als auch die Bedürfnisse des Raums auszurichten. Vielleicht brauche ich z.B. einen Stuhl nicht für meine Arbeit und würde ihn gerne raus schaffen. Der Raum braucht den Stuhl aber - wofür auch immer, ich muss das nicht verstehen – und dann bleibt der Stuhl eben drin.

      Nach der Klärung des physischen Raums folgt die Reinigung/Klärung auf der energetischen Ebene. Dazu räuchere ich mit Weißem Salbei oder Copal (ein südamerikanisches Baumharz). Meist begleite ich dies mit einem Gebet/der Bitte, dass die Energien, die für meine Arbeit nicht angemessen sind, nun den Raum verlassen. Wichtig beim Räuchern ist es, ein Fenster zu öffnen, denn nur so kann die Energie tatsächlich entweichen und sich auflösen.

      Nun habe ich auf physischer und energetischer Ebene Raum geschaffen. Um diesen Raum auch während meiner Arbeit „frei“ zu halten, arbeite ich mit Tabakbündeln. Dafür gebe ich Tabak auf kleine rote Stoffquadrate und binde diese mit einem weißen Faden zusammen. Roter Stoff, weil rote Farbe Energie hält; weißer Faden, weil weiß eine neutrale Farbe ist.

      Von diesen Tabakbündeln mache ich fünf Stück, vier davon verteile ich auf die vier Himmelsrichtungen, zum fünften später mehr. Diese Tabakbündel helfen mir, den energetischen Raum und den Rahmen zu halten, in dem ich arbeite. Sie haben auch die Fähigkeit, emotionale Energien aufzunehmen und fest zu halten. Die Bündel sollten von Zeit zu Zeit erneuert werden. Die Zeiträume sind dabei individuell unterschiedlich und das hängt davon ab, was in dem Raum geschieht. Hier können wir immer wieder mal beim Spirit des Raums nachfragen.

     Es kann auch notwendig sein, den Raum mehrmals täglich wieder „frei“ zu bekommen. Zwischen zwei Behandlungen etwa oder zwischen zwei Kursen. Lüften ist hier das Minimum. Zwischendurch den Raum zu räuchern, wäre gut. Falls dies nicht möglich ist, kann ich auch mittels Gespräch/Gebet darum bitten, das alles, was jetzt nicht mehr in diesen Raum gehört, diesen verlässt. Eine kurze Pause tut nicht nur uns gut, sondern ebenso dem Raum. So hat auch er die Chance, das Geschehene zu verarbeiten und sich auf das Kommende einzustimmen.

 

Unterstützende Energien einladen

Wir haben nun einen Raum geschaffen, in dem Heilung stattfinden kann. Im dritten Schritt geht es darum, diejenigen Energien einzuladen, die uns und die Menschen, mit denen wir arbeiten, in ihrem Prozess unterstützen. Und die gut sind für den Raum!

Wir können unterstützende Energien mit einem Gebet oder einer Anrufung im Raum willkommen heißen. Ich kann die Elemente einladen und/oder verschiedene Qualitäten, die mit meinem Vorhaben im Zusammenhang stehen. Ich kann Spirit-Lehrer/innen einladen, Pflanzen- oder Tierspirits. Was auch immer hilfreich und bereit ist, bei dem Vorhaben mit zu wirken. Es ist wichtig, sich gut zu überlegen, welche Qualitäten eingeladen werden, damit der Raum sinnvoll gefüllt wird und noch genügend Platz für die (Heilungs-)Prozesse bleibt.

Eine weitere Möglichkeit, unterstützende Energien in einen Raum hinein zu bringen, ist die Gestaltung eines Altars den ich mittlerweile lieber Kraftort“ nenne. Ich gestalte damit einen Ort im Raum, an dem sich Kräfte sammeln und bündeln und von wo aus sie wirken können. Es kann auch der Ort im Raum sein, an dem ich meine Gebete spreche, um Unterstützung bitte und mich mit dem großen Ganzen verbinde. Auch hier kann ich wieder Elemente einladen, Qualitäten, Lehrer/innen und Spirits und ihnen einen Ort zum Verweilen anbieten. Dies tue ich, in dem ich entsprechende Gegenstände und/oder Symbole auf den Kraftort lege. Eine Kerze sollte immer dabei sein und sie sollte brennen, während wir arbeiten. Feuer symbolisiert und aktiviert die Verbindung zu unserem eigenen Spirit und zum großen Geheimnis/der Quelle.

Hier kommt nun auch das fünfte Tabakbündel wieder ins Spiel. Der Kraftort ist die energetische Mitte des Raums. Neben Süden, Westen, Norden, Osten ist die Mitte eine weitere Richtung. Wenn wir nun das Bündel in die Mitte legen, stabilisiert es den Raum.

Die kreative Ausgestaltung des Kraftortes sollte wieder in Zusammenarbeit mit dem Spirit des Raums stattfinden sowie in Ausrichtung mit der konkreten Arbeit, die getan werden soll. Und natürlich spielen da auch die Persönlichkeit und die Vorlieben, der Geschmack und die Leidenschaften der Gestalterin eine Rolle! Die Gestaltung ist auch nichts Statisches, sondern wandelt sich mit den jeweiligen Bedürfnissen.

Solche Kraftorte kann ich dauerhaft in meinen eigenen Räumen einrichten oder auch als quasi „mobilen Kraftort“, bei dem ich einige grundlegende Gegenstände zu den Vorhaben mitbringe, die außerhalb meiner Räume stattfinden.

 

Nachdem ich den Raum geöffnet, Raum im Raum geschaffen und Unterstützung eingeladen habe, können nun meine Klient/innen kommen, kann der Workshop stattfinden oder das Ritual beginnen. Auch während dieses Teils der Arbeit stehe ich in Verbindung mit dem Spirit des Raums. Vielleicht habe ich vergessen, zwischendurch einfach mal das Fenster zu öffnen und der Raum erinnert mich daran oder er hat eine andere hilfreiche Information für meine Arbeit. Danach widme ich mich der vierten Phase.

 

Abschluss, Dankbarkeit und Austausch

So, wie ich zu Beginn den Raum geöffnet habe, ist es nun wichtig, den Raum bewusst wieder zu „schließen“. Ich teile dem Raum und allen anderen Verbündeten mit, dass für heute die Arbeit getan ist und entlasse sie aus ihrer Unterstützungsfunktion. Dies tue ich in Dankbarkeit und Respekt und drücke dies auch aus. Ebenso frage ich, ob sie im Austausch für ihre Gaben etwas von mir brauchen oder wünschen. Bekomme ich eine entsprechende Information, setze ich diese um, so gut es mir möglich ist.

Räume lieben Musik! Meine Räume haben ihre Lieblingsmusik, die ich ihnen auch oft dann vorspiele, wenn ich mich gar nicht in dem Raum aufhalte. Dies ist auch eine Möglichkeit, wie wir den Raum, der uns unterstützt, unsererseits unterstützen können.

Auf der physischen Ebene bedeutet Abschluss, auch hier wieder zu lüften und die Überbleibsel meiner Arbeit aus dem Raum hinaus zu bringen; eventuell auch wieder zu putzen, saugen, wischen. Je nach Situation räuchere ich abschließend und sammele die Tabakbündel wieder ein. Die Tabakbündel bitte immer mit der rechten Hand einsammeln, bzw. mit der Hand, mit der wir Energie abgeben. Wenn wir dies mit der aufnehmenden Hand tun, holen wir uns diese Energien in unser System – und das ist keinesfalls empfehlenswert. Ich vergewissere mich im Kontakt mit dem Spirit des Raums, dass alle abschließenden Tätigkeiten getan sind und verabschiede mich mit einem liebevollen Gruß.

 

Individuelle Umsetzung

Wie sich diese vier Phasen jeweils konkret umsetzen lassen, hängt natürlich von den individuellen Bedingungen ab. Arbeite ich in meinen eigenen Praxisräumen, habe ich ganz andere Möglichkeiten der Umsetzung, als wenn ich Untermieterin bin oder in ständig wechselnden Räumen arbeite. Sind mein Arbeits- und mein privater Bereich in derselben Wohnung, stellen sich wiederum spezielle Fragen. Die Umsetzung unterscheidet sich auch darin, ob ich in erster Linie als Behandlerin, als Kursleiterin oder als Lehrerin tätig bin. Möglichkeiten gibt es in jedem Fall.

Meine Empfehlung ist, der eigenen Intuition zu vertrauen und ihr zu folgen. Ausprobieren und experimentieren, Erfahrungen sammeln. Da auch Räume durch Prozesse gehen, kann es sich wandeln, was ein Raum gerade jetzt braucht. Dann funktioniert das, was bisher funktioniert hat, vielleicht nicht mehr und ich mache mich auf die Suche nach dem Neuen.

 

 

Private Räume

Selbstverständlich können wir auch mit unseren privaten Wohn- und Lebensräumen im Sinne dieser vier Schritte zusammenarbeiten. So kann unser privater Raum eine wertvolle Verbündete auf unserem individuellen Lebensweg sein.

Und wir können dies als einen wichtigen Heilungs-Baustein an unsere Klient/innen weitergeben. Auch hier geht es ja darum, etwas Neues – Heilung – in ihr Leben zu bringen. Und vielleicht müssen auch sie dafür in ihren Räumen Raum schaffen. Dies kann z.B. bedeuten, die Wohnung „aus zu misten“: sich von alten Dingen, Tagebüchern, den Muscheln vom Strandurlaub vor 13 Jahren, abgelegten Kleidungsstücken, Fotos, usw. zu verabschieden. Was brauche ich wirklich (in meinen Räumen)? Was bin ich bereit los zu lassen, herzugeben, um Raum zu schaffen für meine Heilung? Wie viel Raum habe ich für Neues? Dies können wichtige Fragen für den eigenen Prozess sein.

 

Räume in der Natur

Auch Räumen in der Natur sollten wir mit dem gleichen Respekt begegnen, wie den von Menschen geschaffenen. Dies bedeutet auch hier immer zu fragen, ob ich an dem Ort im Wald oder auf der Wiese arbeiten darf. Nur weil diese Räume in der Natur sind, heißt das nicht, dass wir sie einfach beanspruchen können oder sie uns automatisch willkommen heißen.

Wenn ich die Erlaubnis erhalten habe, arbeite ich auch hier mit Tabakbündeln oder einem Tabakkreis. Damit begrenze ich den Raum und signalisiere, in welchem Bereich ich arbeiten möchte. Dies ist eine wichtige Information für den Spirit des Ortes und für alle anderen Kräfte und Wesen, die dort unterwegs sind.

Des Weiteren gelten sämtliche Schritte in der Arbeit mit (Innen)Räumen auch für Plätze in der Natur.

 

Organisatorische Räume

Organisationen und Institutionen – auch Berufsverbände – sind ebenfalls Räume, in denen wir uns aufhalten, in denen wir anderen begegnen und die unserem Wachstum förderlich sein sollten. Auch diese Räume haben einen eigenen Spirit, brauchen von Zeit zu Zeit Reinigung und Wandlung. Raum schaffen für Neues / für Veränderung funktioniert hier natürlich ein bisschen anders. Es braucht etwas Fantasie, um die vier Stationen umzusetzen. In der Regel genügt es auch nicht, nur mit dem strukturellen / organisatorischen Rahmen zu arbeiten. Die Menschen müssen gleichermaßen durch den Prozess der Wandlung gehen. Alte Ideen und Glaubenssätze gehen lassen, ein Stück vom eigenen Ego aufgeben, nicht immer recht haben wollen, sind nur einige Stichpunkte. Aufräumen, Entrümpeln, Raum schaffen – jede Person in ihrem eigenen Herzen, Kopf und Spirit und gemeinsam in der Organisationsstruktur. Dann klappt’s auch mit dem Wandel.

 

 

 

Erschienen im März 2012 in: Lachesis Nr. 41 - Fachzeitschrift des Berufsverbandes für Heilpraktikerinnen Lachesis e.V.